Microsoft 365 Copilot im Unternehmen: Welche Pflichten der KI-Verordnung gelten?

Kurz gesagt: Wer Microsoft 365 Copilot beruflich nutzt, ist Betreiber eines KI-Systems im Sinne der KI-Verordnung (Artikel 3 Nummer 4). Copilot ist kein Hochrisiko-System, deshalb sind die Pflichten überschaubar: Mitarbeitende im Umgang mit KI unterstützen und das dokumentieren (Artikel 4), Datenschutz und Geschäftsgeheimnisse im Blick behalten, und bei veröffentlichten Inhalten die Kennzeichnungsregeln des Artikels 50 kennen. Eine Registrierung, ein Beauftragter oder eine Zertifizierung sind nicht vorgeschrieben.

Das gilt seit dem 2. Februar 2025 (Artikel 4) beziehungsweise seit dem 2. August 2026 (Artikel 50), unabhängig davon, ob Sie Copilot bewusst eingeführt haben oder ob er mit dem Lizenzpaket einfach da war.

Welche Rolle haben Sie?

Microsoft ist Anbieter von Copilot und trägt die Anbieterpflichten, etwa die maschinenlesbare Kennzeichnung erzeugter Inhalte (Artikel 50 Absatz 2). Ihr Unternehmen ist Betreiber, weil es das System in eigener Verantwortung beruflich verwendet. Eine Ausnahme entsteht, wenn Sie mit Copilot Studio eigene Agenten bauen und unter eigenem Namen einsetzen: Wer ein KI-System entwickelt oder entwickeln lässt und es zur Eigenverwendung in Betrieb nimmt, ist Anbieter dieses Systems (Artikel 3 Nummer 3 und Nummer 11). Bei einem internen Assistenten ohne Hochrisiko-Zweck bleibt das folgenlos bis auf Artikel 4 und die Transparenzregeln; ein Agent, der Bewerbungen vorsortiert, wäre dagegen ein Hochrisiko-System nach Anhang III Nummer 4.

Was heute schon gilt

Was nicht gilt

Für die normale Büroarbeit mit Copilot (Texte entwerfen, Mails zusammenfassen, Besprechungsnotizen, Excel-Auswertungen) gibt es keine Hochrisiko-Pflichten, keine Registrierung in der EU-Datenbank und keine Kennzeichnungspflicht für interne Dokumente. Ein Text, den Copilot vorformuliert und ein Mensch verantwortet, muss nicht als KI-Text gekennzeichnet werden, es sei denn, er wird veröffentlicht, um die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse zu informieren, und niemand hat ihn redaktionell geprüft.

Wo es kritisch wird

Drei Konstellationen verdienen einen zweiten Blick. Erstens Personalentscheidungen: Wer Copilot Bewerbungen bewerten, Leistungen von Mitarbeitenden beurteilen oder Kündigungen vorbereiten lässt, verwendet KI in einem Anhang-III-Bereich (Nummer 4); die Hochrisiko-Pflichten gelten dafür ab dem 2. Dezember 2027, Artikel 22 DSGVO und das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats gelten heute. Wer ein Allzweckwerkzeug so einsetzt, ändert seine Zweckbestimmung und wird nach Artikel 25 Absatz 1 Buchstabe c selbst Anbieter des Hochrisiko-Systems, mit allen Anbieterpflichten. Zweitens Besprechungsaufzeichnungen mit Transkription: Das ist keine Emotionserkennung, aber eine technische Einrichtung, die Verhalten erfassen kann, also mitbestimmungspflichtig. Drittens Daten: Copilot arbeitet mit allem, worauf der Nutzer Zugriff hat. Fehlende Berechtigungskonzepte in SharePoint werden mit Copilot sichtbar; das ist ein Datenschutzthema, kein KI-VO-Thema, aber es fällt Ihnen zuerst auf die Füße.

Drei Schritte, die reichen

  1. Inventar. Copilot mit Einsatzbereichen, Datenquellen und Verantwortlichen erfassen, ebenso alle anderen KI-Funktionen in Ihrer Software.
  2. Unterweisung und Richtlinie. Eine Stunde für alle Nutzer: Was Copilot kann, wo er halluziniert, welche Daten nicht in Prompts gehören, wie Ergebnisse geprüft werden. Nachweis mit Datum und Teilnehmenden. Eine Seite Nutzungsrichtlinie.
  3. Grenzen ziehen. Copilot nicht für Bewertungen von Personen einsetzen, bis die Hochrisiko-Vorbereitung steht. Berechtigungen in Microsoft 365 prüfen. Betriebsrat einbinden, wo es ihn gibt.

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Häufige Fragen

Muss ich Copilot bei einer Behörde anmelden?

Nein. Eine Registrierungspflicht besteht nur für Anbieter von Hochrisiko-Systemen und für bestimmte Ausnahmefälle nach Artikel 49. Betreiber von Copilot registrieren nichts.

Brauche ich einen KI-Beauftragten für Copilot?

Nein. Die Verordnung schreibt keine solche Rolle vor. Sie schreibt Maßnahmen zur KI-Kompetenz vor (Artikel 4), und dafür sollte eine Person verantwortlich sein.

Muss ich Mails kennzeichnen, die Copilot geschrieben hat?

Nein. Artikel 50 Absatz 4 betrifft veröffentlichte Texte zu Themen öffentlichen Interesses ohne redaktionelle Verantwortung und Deepfakes. Geschäftskorrespondenz ist davon nicht erfasst.

Ist Copilot ein Hochrisiko-System?

Nicht als solches. Hochrisiko wird ein Einsatz erst durch den Zweck, etwa Bewertung von Bewerbern oder Mitarbeitenden (Anhang III Nummer 4). Dafür gelten die Pflichten ab dem 2. Dezember 2027.

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Diese Seite ist eine Orientierungshilfe auf Basis der Verordnung (EU) 2024/1689 in der Fassung der Verordnung (EU) 2026/1744 und ersetzt keine Rechtsberatung.

Stand: September 2026